17. November 2018
In der Zirbenstube mit dem schönsten Hergottswinkel laden wir Hüttenwirt Jakob Prantl auf ein Glasl Wein ein. Foto: Knut Kuckel
In der Zirbenstube mit dem schönsten Hergottswinkel laden wir Hüttenwirt Jakob Prantl auf ein Glasl Wein ein. Foto: Knut Kuckel

Almwirtschaft Gampe Thaya in Sölden – Frühstück in 2000 Meter Höhe

Das machen wir alles selbst“, erzählt Hüttenwirt Jakob Prantl, „jedenfalls das Meiste. Wenn etwas fehlt, gehen wir zum Bauern nebenan.“ Heute besuchen wir Daniela und Jakob Prantl auf ihrer Almwirtschaft Gampe Thaya in Sölden.

„Jakob der Jüngere“, ist einer von mindestens 23 Almwirten im hinteren Ötztal. 

Zum Frühstück gibts Kräutertee, Eierspeisen, frische Milch, Speck und Grantn. Andrä und Daniel machen später ein wenig handgemachte Musik und Jakob erzählt uns, was ihm als Almwirt in den Ötztaler Alpen wichtig ist. Seine Buttermilch bezieht er direkt vom Bauern. „Wenn die aus ist, gibt es keine mehr.“

„Habt ihr am nächsten Sonntag Lust auf ein Almfrühstück bei meinem Freund Jakob von der Gampe Thaya?“ fragt Martin. Keine Frage, wir haben Lust. Wenig später sind wir verabredet. Eine Handvoll Mieminger, aus dem Freundeskreis von Martin Kapeller. Hüttenwirt Jakob Prantl aus Sölden und Martin Kapeller aus Mieming kennen sich u.a. aus dem Agrarzentrum West. Hier treiben mehrheitlich die Tiroler Braun- und Grauviehzüchter Handel. Martin und Jakob sind beide Gründungs- und Vorstandsmitglieder des Agrarzentrums in Imst.

Die Gampe Thaya und liegt auf der Gampe Alm über Sölden, mitten im Skigebiet. Wer drobn ist, hat einen uneingeschränkten Panorama-Blick. Er schaut zum Beispiel auf den über 3000 Meter hohen Gaislachkogel, nah des Ötztaler Gletschers. Viele Wege führen zur Gampe Thaya. Wir wollten in geselliger Runde frühstücken, später vielleicht noch ein Glas Wein mit Jakob Prantl in einer seiner uralten Zirpenstuben trinken. Ihm dabei die ein oder andere Hüttengeschichte entlocken.

Wir machen uns am Hühnersteign auf den Weg, der Berg- und Skihütte von Annemarie Grüner. Zum Ausklang wir später noch „Mama Weltcup“ besuchen. Der Steig zu den Gampehütten ist in nur 20 Minuten leicht zu bewältigen. Der Weg ist kurz, aber lohnt sich. Es ist nicht nur der überwältigende Fernblick auf die Ötztaler Alpen, das sind vor allem die kleinen Dingen in der Natur, die uns berühren. Blühende und fast reife Grantn, gerade gewachsene Zirben oder die Vielzahl der Almblumen. Anni erweist sich als Kennerin und gibt ihr Wissen gerne weiter.

Am Gipfelkreuz machen wir ein Erinnerungsfoto, dann folgen wir dem Pfad zur Almwirtschaft Gampe Thaya. Die Inhaber der Gampe Almhütten haben hier ein kleines Alm Museum eingerichtet. Ein Blick hinein lohnt sich. Hier ist viel altes Gerät ausgestellt. Küchen- und Stubenmöbel. Wen die Eindrücke überwältigen, kann sich mit einem hausgebrannten Obstler wieder aufrichten.

„Das fängt schon mal gut an“, sagt Max. Beim Blick in „Madles Kammer“ hat er – wie so oft – einen passenden Kommentar auf Lager. Wir geben ihn in der freien Übersetzung ausschnittsweise wieder: „Die oft langen Nächten waren hier wohl nicht selten manch freudigem Tun gewidmet.“

Zwei Kühe begrüßen uns auf eine Art und Weise als wollten sie bei unserem Anblick sagen, „Für euch machen wir den Job.“ Wir haben verstanden.

Das Tiroler Grauvieh verbringt seinen Sommer direkt vor der Gampe Thaya und genießt dort oben das beste Gras, viele Kräuter und Blumen. Die frisch gewonnene Milch wird dabei auf der Alm von einem eigenen Melkstand aus direkt in die mobile Käserei geleitet, dort von Jakob Prantl verarbeitet und nach dem Reifeprozess als köstlicher Käse serviert.

Die Almwirtschaft Gampe Thaya wird von Slow Food Tirol empfohlen. „Ich möchte wissen, woher die Nahrung kommt“, sagte der Projekt-Gründer und Präsident Carlo Petrini. „Slow Food“ gegen „Fast Life“. Darum geht es den Förderern der ursprünglichen, handwerklichen Landwirtschaft in Tirol. Tafeln erklären mit griffigen Schlagzeilen, woher die Nahrung kommt.

„Die Kuh ist kein Auto!“ steht auf der ersten Info-Tafel an der Almwirtschaft.

Wir fühlen uns angesprochen und lesen weiter. „Der Kuh wird nachgesagt, dass sie ein Klimakiller wäre. Gelegentlich rülpst die Kuh und gibt Gase frei. Die Kuh im Grasland ist eine lupenreine Klimaschützerin. Durch die Bewegung und den Mist der Kuh wird Humus gebildet. 1 Tonne Humus bindet 1 Tonne CO2.

So haben wir das noch nicht gesehen. Eine, der hier beschäftigten Kühe, schaut uns beim Lesen zu. Selbstbewusst. Als wisse sie genau, was wir da gerade über ihren ökologischen Wert lesen.

Spätestens an dieser Stelle fühlt man, dass die Gampe Thaya keine gewöhnliche Almwirtschaft ist.

Am Ziel angekommen, werden wir von Daniela und Jakob Prantl freundlich begrüßt. Zwei schöne Tische sind für uns reserviert. Darauf steht mehr als man von daheim gewöhnt ist. Wir fühlen uns gleich wohl. Es kommen mehr Gäste. Darunter auch manches bekanntes Gesicht. Wir sind mit uns und vielen anderen im Gespräch.

Dann schauen wir uns die alten Stuben an. Die ersten sind vor ein paar hundert Jahren genutzt worden. In der Zirbenstube mit dem schönsten Hergottswinkel laden wir Hüttenwirt Jakob Prantl auf ein Glasl Wein ein. Da gibt es so Vieles zu bestaunen. „Jakob der Jüngere“ erklärt und erzählt.

Der „Jüngere“ steht für „Junior“.

Die Almwirtschaft mit Bauernschaft wird vom Vater an den Sohn weitergegeben. „Das war bei uns schon immer so“, sagt Jakob. „Um unseren Bauernhof in Sölden kümmert sich jetzt mein Sohn. Traditionell eine Viehwirtschaft. Wir züchten Grauvieh.“

Elf Kühe reichen für den Almbetrieb, sagt der Jakob. „Alle anderen verdingen sich 700 Höhenmeter tiefer“.

„Wir haben vor 20 Jahren mit der Almwirtschaft hier begonnen“, erzählt Jakob Prantl, der Ötztaler mit Bodenhaftung. Er und seine Familie symbolisieren die gelebte bäuerliche Tradition. »Der Gast hat sich stets so zu verhalten, dass sich der Wirt wohlfühlt«, steht über der Stube.

Vor ca. sechs Jahren bekam das Almhütten-Original Jakob Prantl Besuch von dem Journalisten und Buch-Autoren Andreas Wenderoth. Der hat für das berühmte deutsche Wochenblatt „Die Zeit“ über ihn geschrieben. Eine Qualitätsgeschichte, anders wäre das für „Die Zeit“ kaum vorstellbar.

Andreas Wenderoth schreibt „Das ist durchaus so gemeint.“ Das, mit der Verhaltensempfehlung für den Gast. „Wenn bei Prantl Leute auflaufen, die glauben, für Geld könne man alles kaufen, belehrt er sie schnell eines Besseren. 3000 Euro hat ihm mal einer für eine Kuhglocke geboten. »Für kein Geld der Welt«, hat Prantl gesagt. »Die Glocke ist für die Kuh, nicht für den Menschen.«“

„Ich verkauf alles, aber nicht mich selbst“, sagt Jakob Prantl.

Andreas Wenderoth (Ein Mann, ein Ort): „Red Bull steht bei ihm unter »Fusel«, damit die Leute wissen, was er davon hält. Den Kakao gibts bei ihm nicht mit Wasser, sondern mit Kuhmilch, obwohl das anfangs vielen nicht zusagte. Aber es geht ihm ja auch nicht um die Zustimmung eines jeden. Würde er sonst überlegen, im nächsten Jahr Cola und Fanta von der Karte zu streichen?“

Auf unsere Frage, was er heute anders machen würde, antwortet Jakob Prantl: „Ich würde alles so belassen wie es vor 20 Jahren war. Kleiner, überschaubarer.“ Damit meint der Hüttenwirt vor allem die Erneuerungs- und Zubauten (wie die offene Küche, in die der Gast Einsicht hat). „Ohne den Einzug der Moderne könnten wir dem Gästezuspruch nicht gerecht werden“, so Prantl.

Seit hunderten Jahren wird die Almwirtschaft der Familie Daniela und Jakob Prantl betrieben. „Als die Kinder noch klein waren, sind wir nur ab und zu heraufgekommen. Dann hab ich mich irgendwann an den Herd gestellt und gekocht.“ So habe das angefangen, erzählt der Hüttenchef.

Die Almwirtschaft Gampe Thaya ist im Sommer vom 18. Juni bis 2. Oktober 2016 geöffnet. Von Dienstag bis Sonntag, von 8.30 Uhr bis ca. 17.30 Uhr.  Am Montag ist Ruhetag bei den Prantls. „Unsere Kühe sind bis 11. September auf der Alm.  Unser Almsommer dauert bis 2. Oktober, danach haben wir eine kleine Herbstpause, bis es Ende November mit dem Wintersport weiter geht.“

Wir bedanken uns, auch und vor allem beim Team in der Küche und versprechen, wieder zu kommen. „Jederzeit willkommen“, sagt Jakob Prantl. „Dann erzähle ich euch etwas mehr aus meinem Leben.“

Weblink:
Almwirtschaft Gampe Thaya: www.gampethaya.at

Fotos: Knut Kuckel

Knut Kuckel

Meine persönlichen Blogs:
Journalismusblog.de - Journalismus, Medien, Meinung.
→ Tirol.bayern - Grenzgänger und Gipfelstürmer

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