25. September 2018
Abt German Erd vom Zisterzienser-Stift in Stams mahnte zum Umdenken. Foto: Knut Kuckel/tirol.bayern
Abt German Erd vom Zisterzienser-Stift in Stams mahnte zum Umdenken. Foto: Knut Kuckel/tirol.bayern

„Dorffest“ auf der Feldernalm – „Schaut euch um, so schön ist die Welt“

Wer irgendwie konnte, der kam. Auf dem Fußweg, mit dem Rad oder dem Bergtaxi. Mit 1800 Metern ist die Hochfeldern Alm das höchst gelegene Anwesen der Gemeinde Mieming. Zum „Dorffest“ auf die Mieminger Alpe kamen viele Gäste aus dem ganzen Land Tirol und der restlichen Welt.

„Das ist meine erste Almmesse hier heroben“, sagte Abt German Erd vom Zisterzienser-Stift in Stams, zum Auftakt der Almmesse auf der Hochfeldern Alm am Sonntag, dem 28. August 2016.

Die Alm in der Leutasch wird von Martin Reich und Fabio Riml bewirtschaftet. Beide kommen aus Längenfeld. Verantwortlich für die Alpe sind die Gemeinde Mieming und die Obermieminger Bauern der Agrargemeinschaft Feldernalm.

Den feierlichen Gottesdienst mit Abt German begleiteten die Mieminger Sänger und Weisenbläser der Musikkapelle Mieming. Die Mieminger Sänger (Ltg. Hans Holzeis) sangen zum Auftakt das „Sancta Maria“ von Johannes Schweitzer (1831 – 1882) aus der Alpachtaler Bauernmesse. Die Weisenbläser (Ltg. Kapellmeister Sebastian Kluckner, MK Mieming) spielten u.a. Stücke aus der Bläsermesse von Jakob Bergmann.

Wie beim Almfest auf der Marienberg Alm enthielt die Predigt vom Stamser Abt auf Hochfeldern ebenfalls politische Botschaften. „Wir leben in einer Abstiegsgesellschaft.“ Damit nahm der Abt German Erd Bezug auf ein Interview der Journalistin Lisa Nimmervoll mit dem Soziologen Oliver Nachtwey im Standard vom 20. August dieses Jahres.

„Wir dürfen nicht zulassen, dass in unserer Fahrstuhlgesellschaft nur noch die Reichen nach oben fahren und die Armen nach unten.“ Der Abt mahnte mit Blick auf die Alpe zum Umdenken. „Schaut euch um. So schön ist unsere Welt. Es liegt an uns, ob wir aus ihr ein Paradies machen oder das Gegenteil.“

Beim anschließenden Almfest begeisterten die Mieminger Musikanten mit überwiegend Böhmischer Blasmusik. Der Trachtenverein Edelweiss Mieming erntete viel Applaus für aufgeführten Brauchtumstänze mit Einlagen seiner jungen Schuachplattler.

Almobmann Klaus Scharmer, Substanzverwalter/Vizebürgermeister Martin Kapeller und Bürgermeister Franz Dengg berichteten über den Almbetrieb, die einjährige Bauphase und den Anteil der Gemeinde Mieming an dem anspruchsvollen Projekt.

„Wir freuen uns alle über den unfallfreien Bauverlauf und den guten Start unserer neuen Hirten“, sagte zum Auftakt Almobmann Klaus Scharmer. „Mit Martin Reich und Fabio Riml haben wir zwei veranwortliche Hirten und Hüttenwirte gewinnen können. Sie hatten, neben den Bauarbeiten, keinen leichten Einstieg, haben aber ihre „Probezeit“ mit Erfolg abgeschlossen. Wir haben heuer 230 Stück Vieh auf der Alm. Bis heute kam kein Tier zu Schaden und wenn das Wetter mitspielt, feiern wir am Samstag, dem 17. September unseren traditionellen Almabtrieb. Dazu seid ihr alle schon heute herzlich eingeladen.“

Der Almabtrieb am 17. September erfolgt über die Leutasch und 34 Kilometer nach Mieming. Gut die Hälfte der Tiere wird diesen Marsch auf sich nehmen. Abmarsch ist um 7 Uhr, um ca. 15 Uhr sollten die Tiere in Mieming-Obermieming am Kälberhag beim Bauernhof der Familie Post ankommen. Dort findet auch das Almabtriebsfestl statt.

Unter der Obmannschaft von Altbürgermeister Karl Spielmann wurde Anfang der 1960er Jahre beschlossen, zur Feldernalm, die Hochfeldern Alm zu bauen. Eine Holzinschrift unter dem Giebel erinnert noch heute daran, dass die Hochfeldern Alm 1964 erbaut wurde. Seither wird nur noch die Hochfeldern Alm für die Almwirtschaft genutzt.

Ing. Martin Kapeller, Vize-Bürgermeister und Substanzverwalter der Gemeinde Mieming bedankte sich bei allen beteiligten Unternehmen und ihren Handwerkern (s.u.). „Die Zusammenarbeit mit den überwiegend regionalen Firmen und der Bauleitung war ausgezeichnet. Der Hüttenbetrieb wurde im Bestand erhalten, aber im Inneren erneuert und erweitert.“

Das Projekt kostet die Bauherren rund 1 Millionen Euro. Bauherren sind die Gemeindegutsagrargemeinschaft Feldernalpe und die Gemeinde Mieming.

Zur Einweihung schenkte der Bürgermeister im Namen seiner Gemeinde den Almleuten die Lithographie „Rosa Munde“ von Nino Malfatti aus der Steindruckerei Stecher & Stecher in Wildermieming/Affenhausen.

Sein Amtskollege aus Wildermieming, Bürgermeister Klaus Stocker, war einer der ersten Gäste, der mit seiner Frau auf dem Fußweg über Ehrwald zum Fest auf die Hochfeldern Alm kam.

Das Hochfeldern Almfest war ein ebenso schönes wie großes Fest. Die Almleute um die Familien Martin Reich und Fabio Riml verstärkten ihr Team in Küche und Service. Die Gäste waren begeistert und feierten bis in den Abend hinein.

Ein Bild für die Hochfeldern Alm - Anna Scharmer schenkt ein "Foto mit Geschichte". Foto: Knut Kuckel/tirol.bayern
Ein Bild für die Hochfeldern Alm – Anna Scharmer schenkt ein „Foto mit Geschichte“. Foto: Knut Kuckel/tirol.bayern

Die erste Bildschenkung kam von Anna Scharmer aus Obermieming. Am Abend vor dem Almfest überreichte sie ein in Holze gerahmtes Bild an Almobmann Klaus Scharmer und Vize-Bürgermeister Martin Kapeller, mit der Bitte um Weiterreichung an Hüttenwirt Martin Reich. „Euch fehlen doch noch ein paar schöne Bilder“, sagte die 93jährige Anna bei bei ihrem Besuch vor zwei Wochen auf der Alm. „Ich schenke euch eins zur Eröffnung.“ Das Bild entstand während ihres Almaufenthaltes im August 1947. Kurz vor Kriegsende. Nach der Bombardierung Innsbrucks. Mehr über die spannende Geschichte des Bildes in einem exklusiven Beitrag in Mieming.online.

„So viele spannende und interessante Geschichten von der Alpe und seiner Geschichte habe ich noch nie an einem Tag gehört“, sagte der Hüttenwart der alten Feldernalm, der zünftig aufgetrachtelt extra aus dem Nachbarland Bayern anreiste.

Unter den ersten Gratulanten sahen wir u.a. Altbürgermeister HR Dr. Otto Thaler, die Bezirksbäuerin Renate Dengg, Ortsbäuerin Barbara Spielmann, Almobmann Armin Falch (Seeben Alm) und Almobmann/Bauernobmann/Gemeinderat Benedikt van Staa sowie eine repräsentative Delegation der Jungbauernschaft/Landjugend Mieming, die in der Nacht zum Sonntag mit der Party „Summertime Reloaded“ den Sommerabschluss feierte. Bis 5 Uhr in der Früh wurde aufgeräumt, dann machte man sich auf den Weg zur Hochfeldern Alm. Respekt!

Vor der „Jägerstube“ trafen wir im Kreis seiner Familie den „Stiegl-Toni“ (Senior-Wirt Gasthaus Stiegl in Untermieming). Der „Stiegl-Toni“ war von 1958 bis 1961 Hirte auf der Feldernalm, unter Almobmann Josef Schleich, Hausname „Zunterer Seppl“.

Wie bei einem echten Dorffest hockte man beieinander. Es wurde gelacht, gesungen und getanzt. „Wäre schön, wenn das Almfest zur festen Einrichtung werden könnte“, wünschte sich ein Gast, der sich erst auf den Heimweg begab als auch das Vieh sich zur Ruhe legte.

Fotos: Knut Kuckel

Mehr Fotos vom Almfest auf der Hochfeldern Alm zeigen die → Almschreiber

Weblinks:

Knut Kuckel

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→ Tirol.bayern - Grenzgänger und Gipfelstürmer

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