Bayerntourauftakt in Mittenwald – Himmel voller Geigen

Wer es noch nicht weiß, sieht es überall - Mittenwald ist die Stadt der Geigenbauer. Foto: Knut Kuckel
Wer es noch nicht weiß, sieht es überall - Mittenwald ist die Stadt der Geigenbauer. Foto: Knut Kuckel
Zum Bayerntourauftakt zeigt sich Mittenwald in Oberbayern von seiner schönsten Seite. Ein "Himmel voller Geigen". Hier ist der Geigenbau daheim. Das sehen die Gäste der 923 Meter hoch gelegenen Marktgemeinde im Landkreis Garmisch-Partenkirchen auf den ersten Blick. "Mittenwald, da ist Musik drin", sagt eine staunende Besucherin vor dem Geigenbaumuseum.

Gleich hinter dem Ortsschild gratulieren Marktgemeinde und Ski-Club Mittenwald Thomas Dreßen zum Sieg des Hahnenkamm-Rennens 2018 in Kitzbühel.  Letzter und bislang einziger deutscher Weltcup-Abfahrtssieger am Hahnenkamm war Sepp Ferstl auf den Tag genau vor 39 Jahren.

Mittenwald ist Musik und Mittenwald ist bunt. Berühmt für seine Lüftlmalerei. In der Ballenhausgasse, am Obermarkt oder in der Mathias Klotzstraße – überall bunte Fassaden. Vielfach mit Aufschriften, die über das Haus oder seine Geschichte Auskunft geben.

Am Obermarkt 72 – 70, wo beispielsweise die Kräuterfee „Brotzeitgeigen“ mit dem passenden Brotkasten aus Zirbenholz anbietet, war in dem Haus seit 1671 das „Blumenstüberl zur Rose“ angesiedelt. Oder dort wo man, an einem sonnig-warmen Tag wie heute, ein Kaffeehaferl auf der Gasse serviert bekommt, steht noch heute das Haus der vormals „Großherzoglichen Hofbäckerei Schreyögg“. Beeindruckend – die goldene Brezn unterhalb eines Giebelfensters.

Das vornehme Pilgerhaus lässt uns wissen, dass hier schon im Jahre 1596 als das Haus noch eine kleine Klause „Mitten im Walde“ war der heilige St. Korbinian eine kurze Rast einlegte. „Sein Geschenk“, ist da zu lesen, „ein prächtiger Stab, wird heute noch in diesem Haus verwahrt und hoch in Ehren gehalten.“ Die Herberge am Obermarkt 4, gehört zu den vielen Baudenkmälern der Marktgemeinde Mittenwald und war wohl nicht zuletzt namensgebend für die schöne Stadt im oberen Isartal. Knapp 100 Kilometer südlich von München gelegen, zwischen Karwendel- und Wettersteingebirge. Nicht weit vom Grenzübergang Scharnitz ins Nachbarland Tirol in Österreich.

Zu den Baudenkmälern gehört auch ein Denkmal für den Geigenbauer Matthias Klotz in Mittenwald, vor der Kirche St. Peter und Paul. Mathias Klotz lebte von 1653 bis 1743 und gilt als Begründer des Geigenbaus in Mittenwald. 43 Jahre nach seinem Ableben, war Goethe in Mittenwald. Am 7. September 1786 übernachtete der wohl berühmteste aller deutscher Dichter während seiner italienischen Reise im Gasthof Post. Nachzulesen ist das am Haus des Geigenbaumeisters Anton Mallers.

Das Klotz-Denkmal führt zur Ballenhausgasse. Die verdankt ihren Namen dem „Ballenhaus“, einem Lagerhaus, das erstmals 1470 erwähnt wurde. Hier wurden früher Waren des Rott- und Fuhrwesens umgeschlagen. Mittenwald wurde urkundlich erstmals 1096 erwähnt. Das Marktrecht verlieh man der Gemeinde 1305. Die Wälder der Umgebung waren Grundlage für das Gewerbe der Flößerei.

Nachzulesen in Wikipedia: „Mittenwald war einer der Hauptorte der zwischen Tirol und Bayern gelegenen ehemaligen Grafschaft Werdenfels, die von 1294 bis zur Säkularisation 1802 dem Hochstift Freising angehörte und erst durch den Reichsdeputationshauptschluss 1803 an Bayern fiel. Daher enthält das Gemeindewappen von Mittenwald auch den „Freisinger Mohren“.

Mittenwald lebt Geschichte. Jedes Haus, jede Gasse zeugt davon.

Am 2. Tag zum Auftakt meiner ganz persönlichen Bayerntour freue ich mich, dass sich Mittenwald nach dem Schneeregen vom Vortag sonnig und in bester Laune zeigt. Im Gasthof Stern fanden sich sogar bei „Obazdem mit Breze“ erste Biergartenbesucher. Stammgäste waren offensichtlich noch nicht darunter, denn der Stammtisch, „wo die hocken, wo immer da hocken“, war bei meinem Besuch noch verwaist. Das wird sich ändern, denn am Wochenende – so lässt mich ein Plakat über dem Stammtisch im Biergarten wissen – gastiert hier das volkstümliche Schlagerduo Andreas & Michael.

Ich lasse mir das gute Mittenwalder Bier schmecken und lese auf der Brauerei-Homepage, dass hier schon seit 1808 Bier gebraut wird. Das gute Brauwasser kommt von der „Stell“ am Lautersee, einer Brauerei-eigenen Quelle, die seit 1830 von der Brauerfamilie Neuner genutzt wird.

Schon von weitem sieht man die Zunfttafeln am weißblauen Maibaum. Das sind Holzer, Maschkera, Flößer, Geigenmacher, Schellenrührer, die Leute bei der Wiesmahd  und ganz oben, auf der Spitze, thront der stolze Hahn. Im Vierjahresturnus – und das seit 40 Jahren – gibt es nun schon die Tradition des Maibaumaufstellens in Mittenwald. Im Karwendel-Blog schreibt Andrea Schmölzer: „Der „Jubiläumsbaum“ von 2017 ist 32 Meter hoch und wiegt etwa zwei Tonnen. 128 Jahre alt ist die Fichte, laut Holztechniker und Fingerhakler Sepp.“

Gestern habe ich nach meiner Ankunft in Mittenwald ein Foto vom Maibaum am Obermarkt gemacht. Dazu habe ich angemerkt: „Dem steht der Hochnebel und das feuchte Wetter sehr gut. Üblicherweise werden Maibäume meist bei Sonnenschein und wolkenlosem, blauem Himmel fotografiert.“ Heute habe ich deshalb vom Baum noch einmal ein paar Bilder aufgenommen. Aus Gründen der Fairness. Vom Wetter her, hat sich das gelohnt.

Fotos: Knut Kuckel

Weblinks:

Knut Kuckel

"Tirol und Bayern sind mir sehr nahe. So lag die Blog-Idee auf der Hand." Von Hause aus bin ich Journalist / Publizist / Mediennetzwerker. Blogs, die ich schreibe:
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