24. Mai 2018
Der Walchensee liegt auf 800 Meter Meereshöhe in den Bayerischen Voralpen. Foto: Knut Kuckel/Tirol.bayern
Der Walchensee liegt auf 800 Meter Meereshöhe in den Bayerischen Voralpen. Foto: Knut Kuckel/Tirol.bayern

Im Walchensee fühlen sich nicht nur Fische wohl – Motorboote sind tabu

Der Walchensee ist der größte Alpensee Deutschlands. Auf über 16 Quadratkilometer Gesamtfläche kommt keiner seiner Mitbewerber in den Bayerischen Voralpen. Um die tiefste Stelle des Sees zu erreichen, müsste man – so man könnte – 193 Meter tief tauchen.

Damit ist der größte See Bayerns sogar noch tiefer als der benachbarte Achensee in Tirol. Das klare, türkisblaue Wasser des Walchensees ist von höchster Gewässergüteklasse. Die Halbinsel Katzenkopf schiebt sich von Süden in den See. Die Insel Sassau (auf der anderen Seite) ist geschützt und darf nicht betreten werden.

Der Walchensee gehört geographisch zum Vorkarwendel, zwischen Kochel und Wallgau.

Besser als mit dem Auto kann man mit dem Fahrrad den Walchensee erkunden. Motorfahrzeuge dürfen nicht ans Ostufer. Autos und Motorräder befahren deshalb nur die Seestraße am Westufer. Durch die kleinen Orte schlängeln sich zuweilen mehr Autos als sie Einwohner haben.

Die umliegenden Berge versorgen den Walchensee mit Wasser. Der größte Zufluss ist bei Obernach. Ein Teil der Isar wird aus dem Isartal bei Krün in den Walchensee geleitet. Auch ein Teil des Rissbach, der sonst in den benachbarten Sylvensteinsee fließen würde, kommt unterirdisch in den Walchensee. Über ein Speicherkraftwerk wird Strom erzeugt und das Wasser in den Kochelsee geleitet.

Das Walchenseekraftwerk wurde 1924 in Kochel am See in Betrieb genommen. Sein System aus Stollen und Wehren reicht von der Tiroler Grenze bis Wolfratshausen. Bis heute ist es in Deutschland, mit einer Leistung von 124 MW, eines der größten Kraftwerke seiner Art. Der Walchensee hat die Funktion eines „Oberbeckens“. Die Wasserkraft von gut 200 Meter Gefälle wird zur Stromerzeugung genutzt und zum „Unterbecken“, dem Kochelsee geleitet. Das Walchensee-Museum in Urfeld dokumentiert die Geschichte des Seekraftwerkes.

Die Jachen, als natürlicher Abfluss des Sees, entwässert nach Osten durch das Tal der Jachenau zur Isar hin. Den größten natürlichen Zufluss bildet die Obernach, die im Südwesten in den See mündet. Zusammen mit dem künstlichen Zufluss erschließt sich auf diese Weise ein Einzugsgebiet von rund 780 Quadratkilometer.

Wer einigermaßen fit ist, schafft die 26 Kilometer Rundwanderweg um den Walchensee in fünf bis sechs Stunden. Die Naturlandschaft rund um den See scheint unberührt. Die Ufer sind – abgesehen von wenigen Orten weitgehend unbebaut. Motorboote sind tabu. Darüber freuen sich Badegäste und Sonnenanbeter, die überall ein ruhige Plätzchen finden.

Im artenreichen Walchensee fühlen sich auch seltene Fische wohl. Besonders die Seeforelle, der Saibling und die Renke. Kaufen kann man bei ausgewiesenen Fischereibetrieben. Alle gut geführten Restaurants am See führen die Fische auf ihren Karten.

Schilder verweisen darauf, dass der Walchensee Naturschutzgebiet ist. Laut Arten- und Biotopschutzprogramm Bad Tölz/Wolfratshausen sind im Seegebiet über 41 Pflanzenarten der „Roten Liste Bayern“ sowie über 44 Arten der „Roten Liste der BRD“ nachgewiesen.  Bedeutend sind beispielsweise die Vorkommen zahlreicher Enzianarten (wie Schwalbenwurz-Enzian, Seidelbast, Alpenanemone, Schneeheide, Alpendost, Silberdistel, Bärlapp, Eibe und Wacholder).

Wahrzeichen des Ortes Walchensee ist die von weitem sichtbare Pfarrkirche St. Ulrich mit der Marienkapelle. Erbaut wurde sie von 1886 bis 1983 nach den Plänen des österreichischen Architekten Prof. Clemens Holzmeister. Gedacht als ein „größerer Bruder“ neben dem „Klösterl“. Die Pfarrgemeinde St. Ulrich gehört zur Diözese Augsburg.

Walchensee – am Westufer des Sees – ist mit gut 400 Einwohnern der größte Ort am See und gehört zur Gemeinde Kochel a. See, im Landkreis Bad Tölz – Wolfratshausen. Der Walchensee ist übrigens kein See des Freistaats Bayern. Eine Besonderheit. Die Eigentumsrechte teilen sich Gemeinden, Unternehmen und Privatpersonen. 

Im Weiler Einsiedl, in der südlichsten Bucht des Sees, können Boote oder Fahrräder geliehen werden. Das flache Ufer mögen Kinder sehr gerne. Am Nordufer des Walchensees liegt das Dorf Urfeld. Hier gibt es neben dem obligatorischen Ruder-, Tret- und Segelbootverleih noch ein Hotel, ein Café, ein Angel- und Lebensmittelgeschäft. Im Südwesten, auf der Halbinsel Zwergern ist das Klösterl mit Margarethen-Kircherl ein gern und oft fotografiertes Motiv.

Im Nordosten wird das Panorama von der Benediktenwand (1800 Meter) dominiert. Im Süden trennt der Hochkopf (1328 Meter) den Walchensee vom Tal der Isar. Im Norden schließen der Jochberg (1567 Meter) und der kleine Kesselberg den Talkessel ab.

Den Walchensee umgeben vor allem waldreiche Berge, die Wanderer anziehen. Das sind beispielsweise der 1838 Meter hohe Simetsberg. Bei einigermaßen guter Kondition sind die sieben Kilometer oder 1038 Höhenmeter zum Gipfel in ca. drei-einhalb Stunden zu schaffen.  Der Reitsteig führt zum Herzogstand (1730 Meter), ein Gratweg vom Herzogstand zum Heimgarten (1790 Meter). Über die Obstädter Alm führt ein Steig zum Jochberg. Das schafft man in nur zwei Stunden.

Der Walchensee wurde vom Geographen Alois Geistbeck im 19. Jahrhundert kartografiert. Herausgekommen sind dabei die Abschnitte Obersee oder Altlacher See, Weit-, Tief- und Urfeldersee (gelegen an der gleichnamigen Bucht).

Für den sechseinhalb Kilometer langen Rückweg nach Wallgau überwinden wir in nur ein-einhalb Stunden 70 Höhenmeter. Schneller gehts mit dem Radl, aber da sieht man weniger von der Landschaft.

Weblinks:

Fotos: Knut Kuckel

Knut Kuckel

Journalist / Publizist / Mediennetzwerker. Blogs, die ich schreibe:
Knut Kuckel - Persönliches Webportal
→ Mieming.online - Regionales Mediennetzwerk aus Mieming in Tirol.
→ Tirol.bayern - Grenzgänger und Gipfelstürmer

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