20. August 2018
Pfarrkirche St. Georg in Ruhpolding im oberbayerischen Chiemgau. Foto: Knut Kuckel/Tirol.bayern
Pfarrkirche St. Georg in Ruhpolding im oberbayerischen Chiemgau. Foto: Knut Kuckel/Tirol.bayern

Kleine Wallfahrt in Ruhpolding – Besinnungsweg für „Gipfelstürmer und Kulturinteressierte“

„Ruhpolding im oberbayerischen Chiemgau – das ist Naturkino pur“, versprechen die Touristiker. „Für Gipfelstürmer, Kultur- und Erholungssuchende ein Ort, der gut tut.“

„Lasst doch erst einmal unser stilles Ruhpolding auf Euch wirken, bevor Ihr uns besucht.“

Eine Empfehlung von Dr. Ingeborg Schmid, der Leiterin des populären Holzknechtmuseums. Sie drückt uns ganz spontan eine Broschüre in die Hand. „Ruhpoldinger Kirchen, Kapellen und Marterl – Ein kleiner Wegbegleiter“.

In nur zwei Stunden sind die Wege und Stationen Orte der Einkehr. Also, machen wir uns auf den Weg.

Wir starten nahe unseres ausgewählten Hotels. In der Schlosskapelle am Heimatmuseum. Am Eingang lesen wir, sie gehört zum herzoglichen Jagdschloss der Wittelsbacher. Geweiht wurde die schlichte Kapelle im Juli 1753 durch Fürstbischof Franciscus Carolus vom Chiemsee. Vor dem Bau der evangelischen Kirche in Ruhpolding diente die Schlosskapelle den protestanischen Christen als Gottesdienstort.

Der Blick auf die Deckenbilder hat etwas Meditatives. Sie zeigen das Leben der Gottesmutter Maria. Auf dem Weg zum nächsten Ziel, hoch oben am Berg, beeindruckt am Hauseck vom „Hotel zur Post“ die Muttergottes an der „Taverne“. Die Marienstatue soll das Haus beschützen und alle Reisenden. Früher waren das zumeist Fuhrleute und Händler.

Vom Rathaus mit Standesamt – gegenüber am „Haus des Gastes“ führt uns der vorgeschlagene Weg hinauf zum Kirchberg. „Der Weg gleicht einer kleinen Wallfahrt“, verspricht unser Wegbegleiter und das ist in keiner Weise übertrieben.

Wir schauen schon gar nicht mehr zur Uhr und folgen den Stationen zur Pfarrkirche St. Georg. Sie ist die Krönung der Ruhpoldinger Kirchen und Wahrzeichen im Tal der Weißen Traun. Ihre Vorläufer im romanischen und gotischen Stil standen hoch oben auf dem Bergfriedhof, friedvoll umgeben von den Gräbern der Bergbauern.

Beim Pfarrhof steht neben der großen Linde eine Nachbildung des Gnadenbildes des „Gegeißelten Heilandes auf der Wies“. Dieser wurde im Jahr 1730 für die Karfreitagsprozession des Klosters Steingaden als Tragefigur geformt. Da steht er. Der Heiland. Wie in einer Gefängniszelle. Hinter Glas und mit schmerzverzerrtem Gesicht. Aber auch Frieden und Glanz ausstrahlend.

Von diesem Ort schaut man hinauf, zu St. Georg. Von allen Seiten ein beeindruckendes Bild. Besonders am heutigen Tag. Blauer, fast wolkenloser Himmel und sommerlich warme Temperaturen.

An der Kriegergedächtniskapelle lesen wir Namen der Gefallenen beider Weltkriege. Ihre Namen sind auf Marmorplatten verewigt. Die Kapelle wurde 1923 eingeweiht. Manche Namen kommen uns bekannt vor. Erinnern uns an die Pioniere der Holzwirtschaft in Ruhpolding.

Auf unserer kleinen Wallfahrt durch Ruhpoldinger Kirchen und Kapellen bleiben wir immer und immer wieder vor beeindruckenden Marterln stehen. Bekreuzigen uns und halten inne. In tiefer Andacht auch vor dem Bildstock des Heiligen Korbinian. Unmittelbar bei St. Georg, mit Blick hinab nach Ruhpolding und in die Nachbartäler. Die Bänke an diesem Platz der Besinnung laden zur Einkehr.

Der Hl. Korbinian ist der Patron des Erzbistums München und Freising. Einer von jenen heiligen Männern, die mit ihrem Schweiße das alte Bayernland befruchteten und mit ihrem Wort die Gottfernen bekehrten. Als erster Bischof von Freising wird Korbinian zu Recht zu den Aposteln Bayerns gezählt.

Nahe der Bergfriedhöfe um St. Georg fallen uns Totenbretter auf. Früher wurden die Verstorbenen auf einem solchen Brett aufgebahrt und zu Grabe getragen. Anschließend wurden die Bretter zugeschnitten, beschriftet und verziert. Sie erinnern heute vor allem an Bürger, die sich für das Allgemeinwohl stark machten.

Dann betreten wir die Pfarrkirche St. Georg durch das große Eingangstor. Gegenüber des Weihwasserbeckens steht er. St. Georg, mit einem schutzsuchenden Kind auf dem Arm.

Mit dem Neubau von St. Georg wurde 1738 begonnen. Hofbaumeister Johann Gunezrhainer (1692-1763) schuf dieses großartige Gotteshaus. Im Jahre 1754 wurde die jetzige St. Georgskirche durch den Bischof von Chiemsee, Franz Carl Eusebius Graf von Friedberg und Trauchburg geweiht. 1757 war auch der Turm vollendet. Ruhpolding gehörte bis 1254 zum Fürstbistum Salzburg, danach zum Herzogtum Bayern, bis 1811 zur Pfarrei Vachendorf. Seit 1817 gehört Ruhpolding zur Erzdiözese München und Freising.

Mehr über die seit 200 Jahren eigenständige Pfarrei St. Georg in Ruhpolding – mit ihrer 1000-jährigen Geschichte können Interessierte im Traunsteiner Tagblatt nachlesen (Von der Entstehung der Pfarrei St. Georg Ruhpolding).

Vor der Kirche beeindruckt die barocke Holzfigur der Muttergottes, die um ihren toten Sohn trauert. Das Gesicht von Schmerz und Leid gezeichnet. Am Aufgang zum Bergfriedhof ist die „Schmerzhafte Madonna an der Linde“ ein Trost. Nicht nur für die Menschen, die ein Grab besuchen. Der kleine Wegbegleiter in unserer Tasche merkt an: „Der Bergfriedhof hat seinen ganz besonderen Charakter. Man spürt es, dass hier die Verstorbenen zwar in der Erde bestattet, aber gleichzeitig dem Himmel anvertraut sind.

Zurück im Ortszentrum machen wir eine Rast bei der Marienstatue am Dorfbrunnen. Der Ruhpoldinger Bildhauer Georg Hinterseer hat sie 1931 geschnitzt. Maria genießt beim bayerischen Volk hohes Ansehen. Sie ist Anlaufstelle bei jedem persönlichen Anliegen und Herzenskummer. Kurfürst Maximilian I. kürte 1638 Maria zur Schutzherrin von München und Bayern mit dem Titel „Patrona Bavariae“.

Ein paar Stationen der kleinen Ruhpolding-Wallfahrt haben wir ausgelassen. Das Holzknechtmuseum in der Laubau erwartet uns.

Zur Einstimmung machen wir dem Holzknechte-Denkmal im Ortszentrum unsere Aufwartung. Am Sockel eingraviert steht „Unseren Holzknechten zur Ehre“. Das Denkmal wurde 1959 aufgestellt.

30 Jahre Holzknechtmuseum in Ruhpolding – „Ohne Bergwald geht’s bergab“

Fotos: Knut Kuckel/Tirol.bayern

Knut Kuckel

Journalist. Meine persönlichen Blogs:
KnutKuckel.news - Eigenes Webportal
→ Tirol.bayern - Grenzgänger und Gipfelstürmer

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