19. Oktober 2018
Das Holzknechtmuseum vermittelt Wissen zur Holznutzung. Schwerpunkte sind der Bergwald, Arbeit und Leben der Holzknechte. Foto: Knut Kuckel/Tirol.bayern
Das Holzknechtmuseum vermittelt Wissen zur Holznutzung. Schwerpunkte sind der Bergwald, Arbeit und Leben der Holzknechte. Foto: Knut Kuckel/Tirol.bayern

30 Jahre Holzknechtmuseum in Ruhpolding – „Ohne Bergwald geht’s bergab“

Das Holzknechtmuseum in Ruhpolding feiert heuer sein 30-jähriges Jubiläum mit exklusiven Programmangeboten. Schwerpunkte sind das Leben im Wald und die Entwicklung der Holzwirtschaft in den Chiemgauer Alpen.

Zu den wesentlichen Aufgaben der Bergwaldbewirtschaftung gehört die Schutzwaldpflege. Die Sicherung und Verbesserung der Schutzfunktionen des Bergwaldes.

In unmittelbarer Nachbarschaft zum Holzknechtmuseum liegt das Forstliche Bildungszentrum Laubau. Das Aus- und Fortbildungszentrum der Bayerischen Staatsforsten wurde vor 80 Jahren als Waldarbeitsschule gegründet. 

Das Bildungszentrum unterstützt das Holzknechtmuseum Ruhpolding in seinem Anliegen für eine nachhaltige Waldwirtschaft einzutreten. Die Verantwortlichen meinen: „Ohne Bergwald geht’s bergab.“

Zum Hintergrund: In den vergangenen Jahrzehnten entwickelte sich die Alpenregion zu einem wichtigen Erholungs- aber auch Wirtschaftsraum. Verkehrswege wurden ausgebaut, Siedlungen wurden erweitert und rückten so näher an die Berghänge heran. Die Schutzfunktionen des Waldes haben dadurch immer mehr an Bedeutung gewonnen.

Die Tirolerin Dr. Ingeborg Schmid leitet seit Anfang Mai das Holzknechtmuseum in Ruhpolding. Die freie Autorin und Kulturwissenschaftlerin ist von Hause aus Ethnologin und Romanistin. Ingeborg Schmid leitet erfolgreich Projekte im Museums- und Ausstellungsbereich. „Vor allem im Alpenraum.“

Und ihr Bezug zu den Holzknechten? – „Der Großvater war Förster. Vielleicht habe ich deshalb einen genetisch-bedingten Bezug zur Forstwirtschaft? – Wird wohl so sein.“

Ingeborg Schmid meint, auch wenn die Holzknechte vor ein paar hundert Jahren noch in einfachsten Verhältnissen lebten, kann man sich doch das ein oder andere von ihnen abschauen.

„Damit das Zusammenleben in den Bergen in weitgehender Harmonie verlaufen konnte, war alles klar geregelt. Jeder Holzknecht hatte seinen Platz an Herd und Tisch. Auch die Betten waren zugeteilt. Die Jüngeren mussten vor Feierabend zur Hütte gehen, um einzuheizen. Die wenigen Abendstunden wurden unterschiedlich genutzt. Manchen reparierten ihre Ausrüstung und das Werkzeug, andere trafen sich zum Gespräch und spielten Karten oder Mühle.“

Von Alt-Bäckermeister Erwin Auburger aus Siegsdorf im Landkreis Traunstein lässt sich die Museumsleiterin über das Tagesprogramm informieren. „Gemeinsam mit Manfred wollen wir Brot backen.“

Manfred Schönbuchner ist seit vielen Jahren Hausmeister im Holzknechtmuseum und nach eigener Aussage „Mädchen für alles“. Manches, worüber sich die Besucherinnen und Besucher freuen, geht auf sein Konto. „In den Hütten ist handwerklich immer etwas zu tun“, sagt er und lädt uns zu einer spontanen Führung ein.

Ein Erlebnis-Pfad führt zu originalen Holzknecht-Hütten, in denen das Leben der Holzknechte erlebbar wird. An einigen Stationen können die Besucher aktiv werden. Dabei lernen sie unter anderem den Bergwald und seine ökologischen Aspekte sowie die historische Bedeutung der Holzknechte im südlichen Chiemgau kennen. Mit dem Versetzen der Hütten begann die Entstehung des Holzknechtmuseums, das 1988 eröffnete.

Im Bergwald stand noch um 1900 die Seeklausenhütte. Bevor sie ins Freigelände des Museums verlegt wurde, war ihr Standort in der Nähe des Hintersees bei Ramsau. „Die Seeklausenhütte wurde – so wie sie hier steht – auf einem LKW ins Holzknechtmuseum transportiert.“

Von dort geht’s in die Ländhütte, „dem früheren Sorgenkind der Forstverwaltung, denn der Hüttenboden verfaulte immer wieder, da die Hütte ursprünglich auf feuchtem Grund gebaut war.“ Hier und heute habe man das alles im Griff, sagt Manfred Schönbuchner.

Die meisten Hütten auf dem Freigelände des Museums standen ursprünglich in den Bergwäldern der Umgebung. Sie dienten den Holzknechten als Wohn- und Schlafraum während ihrer Arbeit in den Bergen.

„Wir können mit dem Backen beginnen“, signalisiert Erwin Auburger. „Das Backhaus ist aufgeheizt.“ In den Zeiten als das Backhaus noch Hochkonjunktur hatte, wurden alle zwei Wochen bis zu 20 Brotlaibe gebacken. Der Ofen musste zwei Stunden vorher angeheizt werden. Das Brot brauchte eine gute Stunde, bis es gebacken war.

Das Backhaus im Holzknechtmuseum wurde 2005 neu gebaut und ist eine Nachbildung. Das Original steht heute im Freilichtmuseum Glentleiten in Oberbayern. Zwischen Murnau und Kochelsee.

Erwin Auburger war vor seinem Ruhestand selbständiger Bäcker in Eisenärzt. Seine persönliche Leidenschaft widmet der rüstige 70er der Schützengesellschaft Eisenärzt und dem dortigen Heimatverein. Keine Frage, der Alt-Bäcker kennt seit Jahrzehnten das Leben in den Bergen. „Die Holzknechte waren in unserer Region schon immer wichtige Männer. Sie mussten große Mengen Holz schlagen, um die Salinen in Traunstein zu befeuern.“

Ingeborg Schmid ergänzt: „Die Region verdankte ihren Wohlstand dem Salz. Um das gelöste Salz aus der Sole zu sieden, brauchte man gewaltige Mengen an Holz.“ Die Saline im nahen Traunstein wurde von 1619 bis 1912 betrieben.

Der Waldreichtum im Traunsteiner Hinterland und die Holzknappheit bei der Saline in Bad Reichenhall führte dazu, dass im frühen 17. Jahrhundert Traunstein auch Salinenstandort wurde.

Im Gründungsjahr 1619 der Saline Traunstein wurde vermutlich auch der Holzknecht Verein Ruhpolding gegründet, der somit im kommenden Jahr sein 400-jähriges Jubiläum feiern könnte.

Die Soleleitung Reichenhall-Traunstein musste insgesamt etwa 260 Meter Höhe überwinden. Entlang der Strecke baute man sieben Brunnhäuser, in denen Kolbendruckpumpen die ankommende Sole auf die jeweils nötige Höhe von bis zu 84 Meter anhoben. Wasserräder – wie das auf dem Museumsgelände – trieben die Kolbenpumpen an.

Das viel bestaunte Wasserrad nahe dem Museums-Gebäude ist der imposante Nachbau eines 1619 betriebenen Wasserrades der Saline Traunstein. Das Wasserrad dreht sich in unmittelbarer Nachbarschaft zu einem kleinen Sägewerk der „Marke Eigenbau“. Gebaut um 1840. Auf einem Hinweisschild ist zu lesen, dass der Almbauer Franz Huber 1946 die gebrauchte Gattersäge erwarb.

Bis 1970 produzierte er mit der Gattersäge Holz für den Eigenbedarf. Seit dem Ausbau der Forststraßen in den 1950er Jahren, wurde das transportable Sägewerk nur noch vereinzelt in Betrieb genommen.

Zurück im Haupthaus des Museums in der Laubau. Auf zwei Etagen zeigt das Holzknechtmuseum, wie die Waldarbeiter früher gearbeitet und gelebt haben. Lebensgroße Figuren machen ihre immer mühsame und nicht selten auch gefährliche Arbeit anschaulich und nachvollziehbar.

Über Jahrtausende war Holz der wichtigste Bau- und Brennstoff in den Wäldern der Chiemgauer Alpen. Bau- und Brennstoff sowie Rohstoff für die Herstellung von Werkzeugen, Rädern, Fässern und vielem mehr.

Bei unserem Rundgang hören wir, dass der Holzbedarf in der Region ab Mitte des 16. Jahrhunderts anstieg. Auslöser waren die Hüttenwerke in Bergen und Aschau und 100 Jahre später die Saline in Traunstein.

Damit der nachwachsende Rohstoff stets verfügbar blieb, kontrollierte die 1509 gegründete Salinenforstverwaltung den Holzeinschlag. Ab dem 18. Jahrhundert begann die Salinenforstverwaltung den Wald planmäßiger zu bewirtschaften. Viele Menschen in der Region fanden hier Arbeit. Als die Eisenbahn den Brennstoff Kohle liefern konnte, verloren ab 1859 die Wälder ihre Bedeutung als Rohstofflieferant für die Industrieanlagen.

Inzwischen gewinnt Holz als nachwachsender Rohstoff wieder an Bedeutung. Sei es als Energieträger oder Baumaterial.

Das Holzknechtmuseum vermittelt viel Wissen zur Holznutzung. Schwerpunkte im Freigelände sind der Bergwald und das Leben der Holzknechte in Wald und Dorf.

Sepp Zeller erzählt über die harte Arbeit der Holzknechte. Der Bauer vom Zeller-Hof in Gstatt zeigt uns Bilder seines Vaters Josef Zeller beim Holzziehen. Im Salinengebiet setzte man Pferde oder Ochsen zum Holzrücken oder für den Transport auf Talwegen ein. Zum Bewegen von Holz gab’s den „Sapi“. Ein Universalwerkzeug für die Nutzung im Gebirge und bei Stämmen mittlerer Länge. Ein Bild über die Schlittenbringung zeigt das Beladen eines Pferdeschlittens am Unterberg.

Sepp Zeller kann sich noch gut an die Arbeit erinnern. „Das Zusammenziehen des Holzes machte der Vater nur mit Pferden.“ Er zeigt Bilder und historische Filmaufnahmen im Museum, die diese Arbeit dokumentieren. In Glasvitrinen ausgestellt sind originalgetreu nachempfundene Miniaturen.  Dargestellt werden die Holzarbeiter vergangener Jahrhunderte bei ihrer Arbeit. „Die Rösser waren lange Zeit unverzichtbar“, sagt der Zeller Sepp. „Schön wäre es, wenn wir das heute noch den Leuten zeigen könnten.“

Aber die Pferdehaltung lohne sich wirtschaftlich nicht mehr. „Deshalb finden wir auch niemanden, der da nochmal mitmachen würde.“

Ingeborg Schmid legt ein Buch auf den Tisch, dass die Arbeit „im Holz“ anschaulich dokumentiert. Geschrieben von dem Fotografen Christian Heumader. Der Autor entdeckte bei einem Bekannten eine Sammlung historischer Fotos, die Holzfäller bei der Arbeit zeigten. Im Vorwort schreibt Heumader: „Mich beeindruckten ihr Aussehen, ihre Kleidung, ihre Werkzeuge, aber auch der Stolz in ihren Gesichtern.“

Im Arbeitszimmer der Museumsleitung finden sich weitere wertvolle und zum Teil uralte forstwirtschaftliche Bücher. Sie vermitteln nicht nur Wissenswertes über die Wald- und Forstwirtschaft, sondern auch sehr viel Wissen über die „Ernte des Holzes“ oder was ein angehender Förster so alles wissen sollte.

Auf über 30-tausend Quadratmetern Freigelände beschäftigt sich das Holzknechtmuseum vorbildlich mit ökologischen Fragen.

Wie funktioniert das Ökosystem Bergwald? Welche Funktion hat der Bergwald als Schutzwald? Vor Lawinen, Steinschlägen oder Erdrutsche?

Der Interessierte lernt, heute sind 60 Prozent der Gebirgswälder in der Region als Schutzwald ausgewiesen. Förster, Jäger und Almbauern kümmern sich gemeinsam um eine Verbesserung seiner Schutzfunktion. Denn ginge der Bergwald verloren, würden die Alpen verkarsten und das Alpenvorland wäre weitgehend unbewohnbar.

Für statistisch Interessierte: Unter den 20-tausend Besuchern im Jahr waren 3-tausend Kinder. Rund 70 Prozent der Besucher – so heißt es aus der Museumsleitung – seien Urlauber und Tagesausflügler, die restlichen 30 Prozent Einheimische.

Der verantwortliche Zweckverband Holzknechtmuseum Ruhpolding plant bis Mai 2020 eine Neugestaltung des Museums.

Der Zweckverband Holzknechtmuseum Ruhpolding wurde im Jahr 1994 gegründet. Mitglieder im Zweckverband sind der Bezirk Oberbayern, der Landkreis Traunstein und die Gemeinde Ruhpolding. Die Geschäftsstelle befindet sich in der Gemeinde Ruhpolding.

Im Jubiläumsjahr bietet das Holzknechtmuseum Ruhpolding eine Reihe sehenswerter Sonderausstellungen an.

„So samma hoid“ nennt Stefanie Dirscherl ihre Ausstellung. Zu sehen bis 3. Oktober. Brauchtum trifft auf Popart, gewürzt mit Humor und Dynamik. „So arbad i“, sagt die freischaffende Künstlerin aus Bernau am Chiemsee. „Das Einfangen der bayerischen Lebensart steht im Vordergrund meiner Arbeiten.“

Die Ausstellung „Alles aus Kork“ zeigt bis zum 7. Oktober zahlreiche Korkvariationen. Aus der Rinde der Korkeiche entstehen Gebrauchsgegenstände, Wärmedämmung, Rettungs- und Sportgeräte, Architekturmodelle und vieles mehr. Bereits in der Antike fand dieser vielseitige Naturstoff seine Anwendung. Die Ausstellung, so Museumsleitern Ingeborg Schmid, seit dank einer hervorragenden Zusammenarbeit und Unterstützung durch das Holztechnische Museum Rosenheim möglich geworden.

Die Steinschleiferin Heidi Müller gehört wie der Bäcker Erwin Auburger und viele andere zu den stillen Förderern des Holzknechtmuseums. Ihre handgeschliffenen Fluss-Steine aus Saalach und Tyroler Ache kosten pro Stück nur fünf Euro. Der Erlös bleibt als Spende im Museum. Heidi Müller ist auf der Suche „nach dem Herz vom Stein“. Wenn sie einen Quarz in der Hand halte, fragt sie sich zuallererst „Ist der Stein zufrieden?“ – Heidi Müller kommt mit ihrer kompletten Schleifwerkstatt an Aktionstagen ins Museum und zeigt – „unterstützt von der Mama“ – wie aus Fluss-Steinen Juwelen werden.

Ein herzliches Vergelt’s Gott dem gesamten Team aus dem Holzknechtmuseum für die hilfreiche Unterstützung.

Ein ganz persönliches Danke sagt Tirol.bayern in diesem Sinne den beiden Irmis, der Ingeborg, Heidi, Franziska, Stefanie, dem Erwin, Manfred, Sepp und Norbert.

Öffnungszeiten: Von 1. Mai bis 15. Juli Di.-So. 10-17 Uhr, von 16. Juli bis 16. September auch montags. Preise: Erwachsene 4 Euro, Kinder 2 Euro.

Veranstaltungen im Museum

Holzknechtmuseum Ruhpolding
Laubau 12
D-83324 Ruhpolding
Tel. +49 (0) 8663 – 639
www.holzknechtmuseum.com

Fotos: Knut Kuckel/Tirol.bayern

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Knut Kuckel

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